Forum für allgemeine Fragen und Smalltalk
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Hallo zusammen,
ich stehe kurz davor einen neuen Rechner zu kaufen und ich weiß dass sehr viele Studio One User ihre DAW auf einem Apple Rechner nutzen. Mich würde intressieren, worin hier die Vorteile liegen. Ein I Mac ist mittlerweile ja auch erschwinglich geworden so dass ich mir überlegen kann umzusteigen.
Bin auf eure Meinungen gespannt.
Vielen Dank und mit musikalischen Grüßen
Rainer
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by marcalbrecht on Thu Nov 02, 2017 1:47 pm
Moin,

ich bin gerade dabei testweise von Samplitude auf Studio One umzusteigen (erster Mix zum Ausprobieren steht am Wochenende an), daher kann ich nicht aus S1-Erfahrung heraus antworten. Aber: Ich habe beruflich ("Hired Gun" Softwareentwickler) mit allen möglichen Plattformen zu tun und behaupte, einen ausreichend nüchternen (aka "religionsfreien") Zugang zur Grundsatzfrage zu haben :)

Bis auf einige wenige Fanatiker (mit denen zu arbeiten ich mich weigere) haben alle Mac-Benutzer, die ich kenne, aus ganz konkreten Hardware-Erwägungen einen Apple gekauft: Von Microsoft's Surface-Reihe abgesehen ist es gar nicht so einfach, wirklich richtig gute (insbesondere transportable) "Windows"-Hardware zu bekommen. Selber-Bauen geht immer, für manche Zwecke kann man Gaming-Maschinen nutzen, aber so richtig "cool" ist fast nichts dabei. Bei Apple gibt's "Cool". Nicht nur optisch, sondern durchaus auch mal ausstattungsmäßig.
(Ich arbeite viel im VFX Sektor, dort sind die AMD-Grafikkarten bei Apple ein Riesenproblem, weil damit quasi nichts - im genannten Bereich - ordentlich läuft, aber das ist ein verhältnismäßig junges Problem.)
Heißt: Wenn Haptik, Performance, Papierleistung etc. bei Apple "besser" sind, kaufen viele Menschen, die ich kenne, aus rein pragmatischen Gründen so ein Gerät. Zum Arbeiten ist es eigentlich egal, was für ein OS 'drunterliegt, wenn die Applikation plattformübergreifend gleich zu bedienen ist.

Das OS fängt an eine Rolle zu spielen, wenn man viel zwischen Programmen wechseln muss, Treiberanforderungen hat (oder oben erwähnte ganz konkrete Hardwareprobleme z.B. mit der GPU).
Ich persönlich mag das Apple-Handling ("Look and Feel") nicht, aber das ist irrelevant. Selbstverständlich könnte ich nach kurzer Umgewöhnung auch unter MacOS mit Produktiv-Tools arbeiten.

Im Bereich Audio gibt es ein paar gereadezu banal anmutende Dinge, die für Apple sprechen: Retina-Display und das Handling von veralteter Software, die mit höheren Auflösungen nichts anfangen können. In der Audiowelt ist ja leider fast alles veraltete Software (ich schaue Dich an, Native Instruments, East West etc.!) Die Darstellung klappt derzeit (meiner Erfahrung nach) unter MacOS einfach besser. Das wird sich irgendwann ändern, d.h. Windows wird sicher fast gleichziehen (die haben's in Sachen Colormanagement ja auch irgendwann fast hingekriegt :P ), im Moment ... ist das ein Argument.

Davon abgesehen nutzen die meisten der mir bekannten Apple-Hardware-User MacOS und Windows je nach Bedarf auf ein und derselben Hardware. Diese OPTION zu haben ist nicht zu verachten. Da es Software gibt, die nur unter Windows läuft (oder dort einfach besser/schneller ist), kann Dual-Boot allein schon kaufentscheidend für Apple-Hardware sein, weil es das unter Nicht-Apple eben nicht gibt. Von Linux abgesehen.

Gut, das sind alles keine Argumente - eher eine Momentaufnahme dessen, was ich täglich so sehe: Pragmatismus. Wenn's passt, passt's. Völlig egal, was als Hersteller draufsteht.

Die Anschaffungskosten *können* eine Rolle spielen. Aber, ganz ehrlich, wer beim Werkzeug "spart", spart sowieso an der falschen Stelle.

Marc Albrecht

P.S. Ich habe kein Vorstellungsforum gefunden, bin wahrscheinlich zu alt dazu :) Wer wat' von mir wissen will, kann mir ja fragen.

I'm out. Might have been nice - but some things are not meant to be.
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using about a dozen different computer systems plus more at client-sites. StudioOne currently used on: Surface2pro (4/128), Troll (i7-6700k/64GB/GTX970/all SSD) and Noise (i7-4770/64GB/GTX970/all SSD), all Win10pro/64 -- IO: NI Komplete Audio 6, Toy-Console: icon Platform m, Keys, Guitars, Bass, dogs, horses and wife uncredited.
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by AriAhrendt on Thu Nov 02, 2017 4:05 pm
Hi Marc und willkommen an Board. :)
Hier im "Allgemein"-Forum ist genau der richtige Platz für einen Moin-Thread.

Guter, ausführlicher Standpunkt zum Thema. Man liest daraus aber auch eine Menge Erfahrung und Ringsumwissen. Das hat nicht unbedingt jeder einfache musikalisch Interessierte. Also hier mit Dual-Boot und so, das ist schon advanced und würde ich hier gar nicht erst erwähnen.

Nun zu Reiner.
Für mich festhalten muss man immer, dass Apple-Computer nahezu immer die schwächere, dafür aber teurere Hardware haben, als es bei PC möglich wäre. Apple ist wie ein gutes Klamotten-Design-Geschäft. Dort gibts aber eben auch nur Sachen von der Stange! Nichts auf dich zugeschnitten. Und jetzt kommts:

Wenn du dir von dem Geld eines Apple, was von Haus aus einen Aufpreis hat, eine tatsächliche Audio-PC-Lösung zu deinen Vorstellungen und Budget zusammenstellen lässt, dann hast du die geballte Kompetenz der Audio-Schaffenden UND der aktuellen Marktsituation.

Ich spreche da zb. von echten Musik-PCs von "Digital Audio Service" oder "Xi-Machines".
Dort spricht man auch mit echten Menschen aus der Branche, Service inklusive und die Einrichtung etc. Sowas wirst du bei einem Stangenprodukt von Apple natürlich nie bekommen. Da wirst du maximal alleingelassen im Store.

Also ganz im Ernst, für ein echtes HI-End Recording System spricht nichts für einen Consumer-Mac.

Ari

Ari Ahrendt - Quality Assurance Specialist
PreSonus Software Ltd. - Hamburg
http://www.presonus.com/products/studio-one

Modern electronic Synth Pop........../..........Musicproduction, Support & coaching
http://www.denoisary.de/................./...........http://www.arimusik.de/

Windows 10 64-Bit, i7 6700k 4.0 GHz, 16GB RAM, 256GB SSD, Studio One 3 Professional 64-Bit
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by marcalbrecht on Thu Nov 02, 2017 4:34 pm
Moin, Ari,

ich stimme definitiv zu: Wenn Du bereit bist Geld auszugeben und wenn Du bereit bist, eine "für den Zweck gebaute" Maschine zu kaufen, dann bist Du mit der Windows-Platform besser beraten, eben weil Du in quasi jede Hardware unterstützt bekommst.
Ich würde aber die Gefühlsebene nicht ausblenden. Meine Frau, wenn ich das Beispiel bringen darf, ist nach Ewigkeiten Computerabstinenz erst durch Apple wieder zum "PC"-Nutzen gekommen (Anführungszeichen als Andeutung, dass ich "personal computer", nicht "Phindows Combjuder" meine). Natürlich ist sie jetzt, nach vier Jahren Apple, durch und durch genervt und hat auf ein Surface gewechselt (sie will schließlich ARBEITEN), aber diesen Lernprozess muss man eben erstmal durchmachen.
(Ja, obiger Absatz enthält feine, kaum merkbare Ironie, aber keine Lügen.)

Ich kann wirklich nur empfehlen, wenn es NICHT um High-Performance geht (also insbesondere z.B. echten Datendurchsatz mit neuester Intel-SSD - die übrigens RICHTIG was bringt und massiv Geld spart, weil sie die Terrabyte Bilddaten, mit denen wir gerne mal arbeiten, ERNSTHAFT schneller schaufelt), wenn es ums gemütliche 16-Tracks-Mischen geht mit gebounceten Tracks und maximal einem Plugin pro Spur: BITTE ausprobieren. Das GEFÜHL gerne mit einem Werkzeug zu arbeiten ist nicht zu verachten.
Der Bedarf für "mehr" kommt von allein. Und da (bei dem "mehr") dürfte von Apple in den nächsten Jahren überhaupt gar nichts mehr zu erwarten sein (wenigstens in der High-End-Hardware nicht, ich fürchte aber auch in Sachen Software/OS nicht mehr wirklich).

... womit ich vermutlich nur zur Verwirrung beigetragen habe. Sorry :)

Marc Albrecht

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by rainerrobol1 on Fri Nov 03, 2017 5:01 am
Hi Marc und Ari,
danke für eure Meinungen, damit kann man auch als Entscheidungshilfe
wirklich was anfangen:-)
mit musikalischen Grüßen
Rainer
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by MarkusHassold on Thu Nov 16, 2017 1:55 am
Eines sollte man nicht unerwähnt lassen: der Umgang mit alten Geräten. Ich habe ein MacBookPro aus 2008, das bis ElCapitan ohne zu zucken jedes OS-Update mitgemacht hat. Mit der Aktuellen Version von Studio One kann es auch noch recht gut umgehen, obwohl es bereits unter den empfohlenen Hardware-Spezifikationen für StudioOne 3 liegt.
Sämtliche PC-Notebooks in dieser Altersklasse in meinem Umfeld sind schon längst ausgemustert. Ich habe nur ab und zu die Akkus und die HD ausgetauscht (zuletzt gegen eine SSD - fühlt sich an wie das nagelneue MacBookAir einer meiner Töchter).

Wenn man bedenkt, dass echte Profis auch schon vor 5 Jahren Produktionen komplett native gefahren haben und dass neue high-end-Rechner eher für VR und 3D-Anwendungen ausgelegt sind, sollte man sich eingestehen, dass maximale Performance heutzutage im Audio-Bereich nur noch einen spürbaren Unterschied macht, wenn man wirklich mit sehr vielen Instanzen echter CPU-Fresser gleichzeitig arbeiten will oder muss.

Mit meinem 2012er i7-quad-MacMini komme ich (ich mache mehr Audio, als virtuelle Instrumente) sicher noch lange klar.
Aber seit ich auf Mac umgestiegen bin, komme ich mit Windows nicht mehr klar - MacOS ist, wenn man es mal kennt, einfach leichter zu bedienen.
Wenn ich den Kaufpreis meines Laptops auf die Zeit umlege, hat mich das Ding (inklusive neue Akkus und Festplatten) rund 360,- € pro Jahr gekostet (Listenpreis zugrunde gelegt - ich hab's 700,- billiger im Refurbished-Store geholt). Das sind 30,- E/Monat. So viel geben andere für ihr Handy aus. Den MacMini hab ich gebraucht für 650,- gefunden (mit SSD)....

@ MarcAlbrecht: Meine Frau arbeitet auch am Rechner: Auf ihrem MacBookAir (7 Jahre alt) läuft MS-Excel einwandfrei - im Büro hat sie dafür einen Riesen Windows PC. Kommt halt immer darauf an, was man damit machen will. ;)

Presonus Firestudio Tube, Firestudio Project with Universal Control 1.7.6, Presonus Faderport, Bluetube DP, HP 4, Bluemax.....

Presonus Studio One Pro 4.0.1
Celemony Melodyne Studio 4.1.1
Softube Console1 MK II, Volume 2

- Mac Mini 6.2, (2014), internal SSD+HD, 2,3 GHz Core i7 quad, 16 GB RAM, MacOS 10.13.6 High Sierra
(- MacBookPro 4.1, 17" ( late 2008 ) with internal SSD, 2,5 GHz Core2Duo, 4 GB RAM, MacOS 10.11.6 El Capitan),
External harddisc (3.5" - 7200 rpm) (with eSATA connection through a Sonnet express-card on the notebook or USB3 on the Mac Mini).
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by marcalbrecht on Thu Nov 16, 2017 2:16 am
Moin,

Markus - Deine Anmerkungen finde ich sinnvoll, gleichzeitig aber heikel, wenn Du annimmst, dass die Erfahrung aus der Vergangenheit (10 Jahre alte Hardware läuft noch zufriedenstellend) problemlos in die Zukunft übertragbar ist (heute gekaufte Apple-Hardware auch in 10 Jahren noch problemlos nutzbar). Ich habe da Zweifel, aber meine Glaskugel ist vermutlich weniger leuchtstark als Deine :-)

> MacOS ist, wenn man es mal kennt, einfach leichter zu bedienen

Danke - jetzt muss ich meinen Bildschirm abwischen, da ist Orangenmarmelade drauf. Wie die da nur hingekommen ist ...

Mein Büro-PC, auf dem alles, was ich da nutze, absolut einwandfrei läuft (schnell, sauber, Windows 10) ist fast neun Jahre alt (Phenom X4 955). Es gibt überhaupt keinen Grund für mich anzunehmen, dass die Maschine in zwei Jahren irgendwie "veraltet" ist.
Es ist nicht richtig anzunehmen, dass "Windows-Hardware" (die ja seit etlichen Jahren dieselbe ist wie Apple-Hardware) schneller veraltet. Richtig ist, dass manche zusätzliche Hardware weder auf alten noch auf neuen Apple-Systemen zum Laufen zu bekommen ist, es unter Windows dann aber doch mal tut. Richtig ist auch, dass es z.B. Spielzeug gibt, das eben nur unter Windows XP läuft.

Richtig ist leider auch, dass in der Audio-Welt die Multi-Core-Fähigkeit vieler Programme noch nicht auf dem Stand der Möglichkeiten ist. Wir haben schon in den 90ern des vorigen Jahrhunderts für Multi-CPU-Systeme entwickelt und Samplitude Amiga war damals schon in der Lage, gleichzeitig auf dem 68060 und dem PPC im gleichen System zu laufen, die "Massen-Daten-Verarbeitung" wurde automatisch an den PPC übertragen, wenn einer da war, IO ging hingegen über den 68k. Ich finde es schade, dass in der VFX-Welt erst jetzt langsam die Erkenntnis einsetzt, dass man Multi-Core und Multi-CPU Systeme entsprechend PROGRAMMIEREN muss (und dass da auch mal R&D notwendig ist) und die Leistung nicht "einfach so" besser wird - und dass in der Audio-Welt anscheinend selbst dieses Basisverständnis noch nicht so richtig angekommen ist.
Das ist, leider, völlig unabhängig vom OS.

Marc

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